Georg Herwegh

(Stuttgart 31. Mai 1817 – 7. April 1875 Lichtental), populärer Vormärzlyriker und »Sänger des Proletariats« (Wolfgang Büttner), Freund oder Bekannter von Personen wie Heinrich Heine, Karl Marx, Wilhelm Weitling, Michael Bakunin, Alexander Herzen oder auch August Becker und Ludwig Büchner. – 1835/36 Studium der Theologie und Rechtswissenschaft Tübingen; nach Relegation Leben als freier Schriftsteller, u. a. als Mitarbeiter an Karl Gutzkows Telegraph für Deutschland, durch den Herwegh vermutlich Büchners Werk kennenlernt. 1839 Flucht in die Schweiz. In Emmishofen bei Constanz trifft Herwegh auf Büchners Züricher Studenten August Lüning und befragt ihn "über Alles u. Jedes, was Büchner betraf", ( LZ 4235 August Lüning, Brief an Karl Emil Franzos) und wenig später in Zürich kommt er in Kontakt mit Freunden und Förderern Büchners wie Lorenz Oken, Wilhelm und Caroline Schulz sowie auch Ludwig Adolf Follen, von denen allen er offenbar sonst unbekannte Einzelheiten über Büchners Leben und Schaffen erfährt. Der schon 1821 geflohene Follen, um 1820 ein Vertrauter Friedrich Ludwig Weidigs und Freund von Wilhelm Schulz, lebte im Exil auf der in der Nähe Zürichs gelegenen sogenannten »Kaiserburg«. Dort schrieb Herwegh als Gast Follens die schnell populär werdende Sammlung Gedichte eines Lebendigen. Sie enthalten unter anderem eine Ode an Georg Büchner (WZ 1035 Georg Herwegh: Zum Andenken an Georg Büchner), in der dieser als »Fürst« und »Führer« verherrlicht wird. Besonders eindrucksvoll gestaltete Herwegh die Legende von dem verlorenenen "Aretino"-Drama, die er mit den oft zitierten Versen abschloss: "Ein unvollendet Lied sinkt er in’s Grab, / Der Verse schönsten nimmt er mit hinab." - Eine Anmerkung erläuterte als den Entstehungsanlass des Gedichtes, dass «[d]er junge, kühnbegeisterte Dichter [...] in Zürich [...] vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, die sämmtliche Professoren der Hochschule mit ihren Frauen und Töchtern zu den ihren zählt«, über Literaturgeschichte lese und dass er in diesem Rahmen anlässlich eines Vortrags über Börne sowie bei Gelegenheit von »Büchner’s Todestag [...] einige Betrachtungen über dieß frühverstorbene Genie« angestellt und »zum Schlusse das nachfolgende Gedicht« gelesen habe. - Die Büchner-Ode des populären Herwegh fand als dessen einziger Beitrag weitere Verbreitung durch die Anthologie Lieder der Zeit (Stuttgart 1841, S. 178–185). Eine Rezension der Gedichte eines Lebendigen in dem von Christian Ludolf Wienbarg redigierten Deutsche[n] Literaturblatt der »Börsen-Halle« (Nr. 43, 24. Juli 1841, S. 117) wies eigens auf Herweghs Büchner-Gedicht hin (vgl. MBA III). Ebenso heißt es in den Blättern für literarische Unterhaltung (Jahrgang 1841, 2. Band, 18. Juli 1841, S. 859), Herweghs Büchner-Gedicht "durch und durch voll Geist und von erschütternder Wahrheit, verklärt in leuchtenden Bildern das Sterbebette eines Dichters, eines Verbannten."

Normdaten (Person): GND 118550128