Wilhelm Schulz (Lithographie um 1840)
Wilhelm Schulz (Lithographie um 1840); Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt.

Friedrich Wilhelm Schulz

(geb. 13. März 1797 in Darmstadt, gest. 9. Jan. 1860 in Hottingen/Schweiz), Leutnant, demokratischer Publizist und Politiker. Führendes Mitglied der Darmstädter „Schwarzen“, zu dessen Mitgliedern unter anderem auch der Bäckermeister Koch gehörte, dessen Söhne Adam und Jacob Koch später Mitglieder der von Büchner gegründeten "Gesellschaft der Menschenrechte" in Darmstadt wurden. Die Gesellschaft der Menschenrechte in Darmstadt . 1820 als anonymer Verfasser des Frag- und Antwortbüchleins über allerlei, was im teutschen Vaterland besonders Noth thut vor einem Militärgericht angeklagt, aber freigesprochen; nach dem Abschied vom Militär Jura-Studium in Gießen, 1823 Examen, durch die verweigerte Zulassung praktisch mit Berufsverbot belegt; 1825 bis 1831 Mitarbeiter und Übersetzer an J. F. Cottas Zeitschrift Hesperus; 1828 (zusammen mit Karl Buchner) Gründung des Montagsblatts für Freunde gebildeter Unterhaltung in Darmstadt.

Zusammenarbeit mit Karl von Rotteck, Karl Theodor Welcker und Johann Georg August Wirth; Mitbegründer des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins, Teilnahme am Hambacher Fest (27. Mai 1832), Verfasser von Flugschriften (u .a. Das Recht des deutschen Volkes und die Beschlüsse des Bundestags, Anfang August 1832) und Herausgeber der Wochenzeitung Der deutsche Volksbote mit Aufrufen zu Steuerverweigerung und Volksbewaffnung. Seit September 1833 in Haft, am 18. Juni 1834 von einem Militärgericht wegen „Beteiligung am Hochverrat und wegen des fortgesetzten Versuchs des Verbrechens einer gewaltsamen Veränderung der Staatsverfassung“ zu fünfjähriger Festungshaft verurteilt; in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1834 mit Hilfe seiner Ehefrau Caroline Flucht aus der Haft in Babenhausen bei Darmstadt (vgl. Wilhelm Schulz: Briefwechsel eines Staatsgefangenen und seiner Befreierin. 2 Bde., Mannheim: Bassermann 1846 und, darauf basierend, Grab 1979, 133-137 sowie Grab 1987, 145-149). Gemeinsame Flucht nach Straßburg, wo sich Büchner mit beiden anfreundet. 5. Mai 1835. An die Eltern in Darmstadt .

Mitte Juni 1835 Ausweisung des Ehepaares Schulz aus Straßburg ins elsässische Oberbronn, wo sich auch August Stöber aufhielt. Ende Okt./Anfang Nov. 1835 erzwungener Umzug nach Nancy.

Im November 1835 neben Büchner in der von Karl Gutzkow (Kampagne gegen das „Junge Deutschland“) geplanten, aber vor dem Erscheinen schon verbotenen Zeitschrift Deutsche Revue als Mitarbeiter genannt. LZ 1720 Prospekt zur Deutschen Revue .

Herbst 1836 Übersiedlung nach Zürich, wo Schulz sich am 2. November zum Privatdozenten qualifiziert. Das Ehepaar Schulz wohnt Spiegelgasse 12; Büchner wird ihr Wohnungsnachbar.  Zeitleiste 24. Oktober 1836 Schulz schreibt nach Büchners Tod den Nekrolog. LZ 4560 Schulz, Nekrolog auf Büchner. 1851 verfasst er eine ausführliche Darstellung Büchners in seiner Rezension der von Ludwig Büchner herausgegebenen Nachgelassenen Schriften Büchners. LZ 4520 Schulz über Nachgelassene Schriften

Mit seinem Buch Der Tod des Pfarrers Friedrich Ludwig Weidig (1843) gibt Schulz einen entscheidenden Anstoß zur Debatte um den Tod Friedrich Ludwig Weidigs und um die Abschaffung der geheimen Untersuchungsverfahren. Friedrich Noellners Dokumentation (Aktenmäßige Darlegung des wegen Hochverrats eingeleiteten gerichtlichen Verfahrens gegen Pfarrer Dr. Friedrich Weidig, Darmstadt 1844), eine der Hauptquellen zum Hessischen Landboten, ist weitgehend die offiziöse Antwort auf Schulz' Schrift.

1848 wird Schulz in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, Juli 1849 Flucht in die Schweiz. Bekanntestes Werk: Die Bewegung der Produktion (1843).

Grundlegende Literatur: Walter Grab, Der Mann, der Marx Ideen gab. Wilhelm Schulz. [...] Eine politische Biographie, Düsseldorf 1979.

Normdaten (Person): GND: 118762532

Zuletzt geändert: Mai 2017