4.5. Wanderungen und Reisen in der Straßburger Zeit

 „Ich habe mich ganz hier in das Land hineingelebt; die Vogesen sind ein Gebirg, das ich liebe wie eine Mutter, ich kenne jede Bergspitze und jedes Thal“, schreibt Georg Büchner Ende November 1835 aus Straßburg an Karl Gutzkow. Ende November 1835. An Karl Gutzkow in Frankfurt am Main

Tatsächlich unternahm er während seiner beiden Straßburg-Aufenthalte wiederholt ausgedehnte Ausflüge in die Vogesen. Eine dieser Wanderungen dürfte ihn vermutlich nach Waldersbach im Steintal geführt haben, den Wohn- und Wirkungsort des in der Lenz-Erzählung Einführung zu Lenz  porträtierten Pfarrers und Reformpädagogen Johann Friedrich Oberlin, bei dem sich der Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz im Januar und Februar 1778 aufgehalten hatte, um dort die ersten Symptome seiner psychischen Erkrankung auszukurieren.

Während allerdings von dem – gleichwohl höchst wahrscheinlichen – Aufenthalt Georg Büchners in Waldersbach keine Dokumente überliefert sind, können die Routen anderer Wanderungen und Reisen detailliert nachvollzogen werden. So unternahm Büchner gegen Ende seines ersten Straßburg-Aufenthalts gemeinsam mit Edouard Reuss, dem späteren Ägyptologen Richard Lepsius, den Theologiestudenten Adolf Kreiss und Eugen Ehrhardt sowie einem weiteren Bekannten namens Heinrich Wulfes eine mehrtägige Wanderung, die von Straßburg über Séléstat, Kintzheim und Ste.-Marie-aux-Mines zum Col du Bonhomme, an den Lac blanc und den Lac noir, von dort nach Munster, zum Grand Ballon und zu den Moselquellen, an die Seen von Longemer und Gérardmer und schließlich über Saint-Dié-des-Vosges zurück nach Straßburg führte. LZ 1590 Reuss, Erinnerungen

In Saint-Dié lernte Büchner den Pfarrer Ludwig Friedrich Rauscher kennen, der mit Adelheid Witz verheiratet war, einer Enkelin Johann Friedrich Oberlins, und dessen Vater 1826 Oberlins Nachfolger in der Gemeinde Waldersbach geworden war.

Ein anderer Ausflug, den Büchner in der Zeit seines ersten Straßburg-Aufenthaltes gemeinsam mit Edouard Reuss, Heinrich Wulfes, Eugène Boeckel, August Stoeber, Johann Georg Ernst und Julius August Hertzog unternahm, führte ihn nach Ostwald an der unteren Ill, ein beliebtes Ziel auch von Schiffspartien der Studentenverbindung „Eugenia“, Die Studentenverbindung „Eugenia“ die ebenfalls Ausflüge im Elsass und in die Vogesen unternahm. Hierzu gehört etwa eine dreitägige Wanderung, die über die Pfingsttage des Jahres 1832 stattfand und die zu dem berühmten Wallfahrtsort Mont-Sainte-Odile und den Wasserfall bei Niedeck führte.

Eine eindrucksvolle Beschreibung der ersten der genannten Wanderungen findet sich in einem Brief Georg Büchners vom 8. Juli 1833 an die Familie in Darmstadt. 8. Juli 1833. An die Eltern in Darmstadt

Text: Maximiliane Jäger-Gogoll (Juni 2014)