7.1. Die Studentenverbindung „Eugenia“

LZ 1370 „Eugenia“-Protokoll No. 158 Im Protokoll der 135. Sitzung der „Eugenia“ vom 17. November 1831 ist unter den Teilnehmern auch „Büchner […] aus Darmstadt, […] Studios. Medicinae“ verzeichnet, der an diesem Datum erstmalig als „hospes“ (Gast) an Sitzungen der Theologenverbindung teilnahm.

LZ 1360 „Eugenia“-Mitgliederliste Am 10. Juni 1832 wurde er zum „hospes perpetuus“ (Dauergast) ernannt.

Die „Eugenia“ wurde am 21. Februar 1828 von einer Gruppe von Theologiestudenten gegründet. Dazu gehörten die Brüder August Stöber und Adolph Stöber , Ludwig Amsler (1809–nach 1870), Victor Jaeglé , Ludwig Bricka (1807–1828) und Eduard Lange. Etwas später stießen als weitere Mitglieder Johannes Höpfner (1811–1896), Johann Daniel Scherb (1809–1881), Peter Follenius (1807–1871), Eugène Boeckel und Adolph Müntz (1812–1859) dazu.

Ordentliche Mitglieder der „Eugenia“, die sich insgesamt am Brauchtum deutscher burschenschaftlicher Vereinigungen orientierte, konnten nur Theologen werden. Die Mitgliederzahl der „Eugenia“ war auf zwölf beschränkt, doch wurden immer wieder Gäste („hospites“) zugelassen, die, wie etwa bei Georg Büchner der Fall, auch zu Dauergästen ernannt werden konnten. Die Satzung bestimmte als Hauptzwecke der Verbindung: „Fröhliches Beisammenseyn, trauliches lehrreiches Gespräch und holde[n] Biergenuß“ („Allgemeine Dispositionen“, Art. IX; zit nach Georg Büchner Jahrbuch 6, S. 332). Die Mitglieder der „Eugenia“ verpflichteten sich zu „Offenheit und gegenseitige[m] Vertrauen, Liebe und Freundschaft“ („Allgemeine Dispositionen“, Art. VI). Ihre Farben, „Blau, Roth und Grün“, symbolisierten die christlichen Kardinaltugenden „Glaube, Liebe und Hoffnung“ („Besondere Dispositionen“, 5. Abs.). Der Bildung eines „allgemeinen politischen Studentenvereins“, der Anfang 1831 von der Pariser Sorbonne projektiert war, und einer möglichen „Vereinigung der verschiedenen hiesigen Facultäten“, die vorübergehend im „Casino d’étudiants“ zustande kam, setzten die ‚Eugeniden’ indes ihr „Privatinteresse als Theologen“ entgegen (Protokoll, 27. Jan. 1831).

Zumeist fanden die Treffen im „Drescher“, dem Elternhaus der Brüder Stöber am alten Weinmarkt 76, statt, manchmal traf man sich auch bei einem der anderen Mitglieder oder in Straßburger Cafés oder Kneipen. Neben diesen Zusammenkünften, bei denen meist ausgiebig gezecht und aus langer Pfeife geraucht wurde, unternahmen die „Eugeniden“ auch gemeinsame Wanderungen oder Schiffspartien. So wird etwa in der Sitzung vom 7. Juni 1832, bei der von politischen Ereignissen wie dem Insurrektionsversuch der Herzogin von Berry zugunsten ihres Sohnes gegen das Regime König Louis-Philippes am 4. Juni 1832 die Rede ist, auch eine dreitägige Wanderung „nach dem Odilienberge u. dem Niedecker Wasserfall“ geplant, die dann auch über die folgenden Pfingsttage 1832 stattfand. 

Die Gespräche kreisten meist um Studienangelegenheiten und Interna, gelegentlich wurden auch philosophische, theologische und konfessionelle Fragen debattiert. Vom Wintertrimester 1830/31 bis zum Sommertrimester 1831 waren die politischen Ereignisse das beherrschende Thema. Die „Eugeniden“ bekannten sich zur „Partei der Bewegung“, grenzten sich aber zugleich von der „äußersten Linken“ ab. (Vgl. im einzelnen Th. M. Mayer in Georg Büchner Jahrbuch 6, S. 324–328.)

Georg Büchner nahm am 17. November und 8. Dezember 1831 sowie am 16. Februar, 24. Mai, 7. u. 28. Juni, 5. u. 19. Juli 1832 an Treffen der „Eugenia“ teil. LZ 1410 „Eugenia“-Protokolle Vor allem am 24. Mai, 28. Juni und 5. Juli 1832 scheint er mit seinem Interesse an politischen Themen das Gespräch bestimmt zu haben.

LZ 1410 Studentenverbindung „Eugenia“Das letzte Protokoll der „Eugenia“ datiert vom 19. Juli 1832.

LZ 1620 August Stoeber, Einträge Ein letzter Eintrag von August Stöber im Protokollbuch der „Eugenia“ vom Januar 1834 notiert die Abgänge verschiedener Mitglieder aus Straßburg. Adolph Müntz übersiedelte im Juli 1834 nach Paris, Büchner kehrte etwa um die gleiche Zeit nach Darmstadt zurück, Scherb zog im August 1834 nach Colmar und von dort weiter nach Genf, Adolph Stöber wurde Vikar in Metz. LZ 1495 bis LZ 1540 Erwähnungen Büchners in der Korrespondenz der Eugeniden in Briefen ehemaliger Eugeniden an August Stöber wird Büchner des öfteren erwähnt und gegrüßt.

In politischer Hinsicht war die Teilnahme an den Aktivitäten der „Eugenia“ für Georg Büchner vermutlich nicht von wesentlicher Bedeutung. Jedoch erhielten sich aus diesem Kreis - etwa mit den Brüdern August Stöber und Adolf Stöber und vor allem mit Eugène Boeckel - einige länger bestehende Freundschaften. Einleitung zu Lenz Von August Stöber erhielt Büchner wichtige Informationen und im April 1835 auch wichtige Materialien für sein Lenz-Projekt. Umgekehrt vermittelte Büchner für die Stöbers den Kontakt zu einem Darmstädter Musenalmanach 24. August 1832. An August (und Adolph) Stöber in Straßburg und - auf Grund der Umstände erfolglos - zu Karl Gutzkow. Ende November 1835. An Karl Gutzkow in Frankfurt am Main

Literatur: Thomas Michael Mayer: Das Protokoll der Straßburger Studentenverbindung 'Eugenia', in: Georg Büchner Jahrbuch 6 (1986/87), 1990, S. 324-392.

Text: Burghard Dedner (Juni 2014), zuletzt bearbeitet: Juli 2017.