LZ 1895
Herr Du-Thil mit der Eisenstirn und Schreinermeister Kraus in Butzbach; vmtl. Butzbach Juli 1834

Zeitleiste Ende Juni 1834

2. Juli 1834. An die Eltern in Darmstadt

Ein Leuchter leuchtet durch das Land,
Der Hessen Nothwehr auch genannt;
Was der Minister lügt und trügt,
Wird durch den Leuchter streng gerügt.

Herrn Du-Thil macht es viel Verdruß,
Daß er den Leuchter dulden muß;
Es kränkt ihn, dass die Welt erfährt,
Wie frech er sich den Sold vermehrt.

Herr Du-Thil hat ein’ Eisenstirn,
Herr Du-Thil hat ein kluges Hirn;
Wohl lässt er seine Unken schrei’n:
Den Pabst, den Schacht, den Breidenstein.

Wohl bot er tausend Gulden Lohn,
Zeigt ihm den Leuchter ein Spion:
Da kommt ein Brief: in Butzbach sey
Des schlimmen Leuchters Druckerei.

Wie schnell er zu Herrn Knapp da lief!
Frohlockend zeigt er ihm den Brief.
Herr Bechtold ward gesandt zur Stund´
Gen Friedberg als ihr Schnüffel-Hund.

Herr Camesasca sollt’ ihn dort
Geleiten an den schlimmen Ort,
Der lange Peter, löwenkühn:
Allein der Kreisrath warnte ihn.

„Ach Peter, Peter, bleib davon!
Nur Schimpf und Schande sind dein Lohn!
Denk, wie nach Steinfurt du gerückt,
Und dich der Ärger fast erstickt.

Denk an die schwarzrotgoldne Fahn’,
Nach der du rittst in deinem Wahn;
Auf stolzem Rosse rittst du aus,
Ein Esel trug dich naß nach Haus.“

Herr Camesasca hörte nicht,
Er schnitt ein superklug Gesicht;
Er nahm noch zwei Stück Federvieh,
den Kopp und Fink; fort fuhren sie.

Es öffnet sich ein Kutschenschlag
In Butzbach selben Nachmittag,
Herausspringt Bechtold und die Drei
Und fragen nach der Polizei.

In Krausens Hause ging’s nun flink,
Die Thür bewachte Kopp und Fink;
Die Andern schnüffelten ins Haus,
Des Leuchters Licht zu blasen aus.

„Herr Kraus, es ward uns offenbart,
Hier sey die Presse aufbewahrt,
Auf welcher man den Leuchter druckt,“
Sprach Bechtold, der scharf um sich kuckt,

„Ihr Herrn, man treibt mit Euch sein Spiel,
Ich habe zwar Holzpressen viel,
Allein die Presse, die Ihr sucht,
Die steht in Nebel-Siegfrieds Schlucht.

Herr Siegfried druckt in tiefem Schacht,
Den Leuchter, der Euch Aengste macht;
Sein Zwerg trägt ihn zur Welt hinein
Und streut ihn aus im Mondenschein.“

Sie suchten scharf nun überall,
In Haus und Keller, Stub´ und Stall;
Schrank, Kasten, Bett und Hobelspän’
Ward Alles emsig durchgesehn.

Herr Bechtold suchte stets voran,
Drum stieß er sich die Nase an;
Als er sich schund die Nas´ und Stirn,
Da ward´s ihm hell in seinem Hirn. –

Herr Knapp, Herr Du-Thil tröstet Euch:
So bleibt’s nicht stehn im deutschen Reich.
Kommt, statt des Leuchters, die Latern,
Dann heißt’s: Lebt hoch, Ihr werthen Herrn!!

Überlieferung
Erstdruck: Wilhelm Diehl, Ein politisches Gedicht auf Minister du Thil, in: Hessische Chronik 4 (1915), S. 311–312.