LZ 1445
Mitgliedschaft Büchners im Casino Théologique et Littéraire

 

In Rodolphe Reuss: Le Casino Théologique et Littéraire 1831-1892 (Strasbourg 1892, S. 54) heißt es über die Mitglieder oder Freunde des Casino:

»Il nous sera permis de citer encore, avec une fierté légitime, des poètes en langue allemande et française, George Büchner, l’auteur de Danton, Auguste et Adolphe Stoeber, les représentants attitrés de la muse autochthone.«

 

Übersetzung

»Es sei uns gestattet, mit berechtigtem Stolze auch noch zu nennen,Dichter in deutscher und französischer Sprache, nämlich Georg Büchner, den Verfasser von Danton,   August und Adolph Stoeber, die rechtmäßigen Vertreter der einheimischen Muse.«

 

Überlieferung

D: R. Reuss: Le Casino Théologique et Littéraire 1831-1892. – Strasbourg 1892, S. 54.

 

Erläuterung
Das „Casino théologique et littéraire“, ein von Theologen dominierter Lese- und Diskussionszirkel, ging im Nov. 1831 aus dem „Casino d’étudiants“ hervor, einem seit Febr. bestehenden patriotischen Zusammenschluß von Studenten der juristischen, der medizinischen und der theologischen Fakultät, der sich im Mai im Zuge politischer Auseinandersetzungen zumal zwischen Medizin- und Theologiestudenten gespalten und dessen Mehrheit Edouard Reuss gemeinsam mit Mitgliedern der „Theologischen Gesellschaft“ im Sommer reorganisiert hatte. Zum Vorstand des „Casino“ gehörten neben Reuss, der unter anderem 1831/32 und 1834/35 als Präsident amtierte, auch Büchners spätere Freunde Johann Wilhelm Baum sowie August und Adolph Stöber . Die Zahl der Mitglieder betrug etwa 100; bis Januar 1834 stieg sie auf 127, 1836 belief sie sich auf 80. Sitz des Casinos war zunächst das Café Kamm an der pl. St. Pierre-le-Jeune, von Ende Dezember 1832 bis Januar 1837 verfügte es über Räumlichkeiten in der Grand’rue Nr. 125. In der Anfangszeit seines Bestehens habe sich das „Casino“, so teilt Rodolphe Reuss mit, durch eine Vielzahl kollektiver Entscheidungen, durch „l’exubérance d’activité parlementaire“ (Reuss 1892, 20), ausgezeichnet. Der zeitgenössische bibliothekarische Bestand des Casinos ist nicht ermittelt; R. Reuss gibt für den 1. Jan. 1849 einen Bestand von „3226 volumes et cahiers“ an (a.a.O., 27); im „Catalogue de la Bibliothèque du Casino théologique“ vom März 1852 sind 87 Periodika und etwa 2000 Bücher verzeichnet (vgl. Hauschild 1993, 131). Über Büchners Nutzung des Casinos und seiner Bibliothek sind Einzelheiten nicht bekannt.

Bearbeitet: Januar 2017; Erläuterung: Forschungsstelle Georg Büchner, Thomas Michael Mayer