LZ 1370
Studentenverbindung „Eugenia“; Protokolleinträge; Straßburg 17. November 1831 – 7. Juni 1832

 

No 135.
Dritte Sitzung v. 17 November.

1/2 Ohm.

Hospites: Büchner u. Held, ersterer aus Darmstadt, letzter aus Weißenburg, beide Studios. Medicinae; Lambossy ebenf Med., aus d franz. Schweiz, wird erwartet, erscheint aber nicht. Das Gespräch betrifft medizinische Angelegenheiten, Collegien, Privatstudien; besonders unser abtrünniger Bruder Böckel spricht viel von dem faulen u. halbfaulen Menschenfleische, welches er in der Anatomie zerschnitten, was für die Uneingeweihten von keiner großen Ergötzlichkeit ist.

No 138.
Sechste Sitzung 8. Dez.

5 Maaß.

Es hospitiren Büchner, Lambossy, Held u. Eschenbrenner. Secretair ist in Helikia eingeladen, kann also nicht referiren, was im Drescher verhandelt wurde; ist aber höchst betroffen um 8 1/2 Uhr, bei seiner Rückkehr, wo er noch alles in floribus glaubte, die Brüder, sammt den Laien, auf dem Abmarsche zu erblicken.

No 147.
3.te Sitzung vom 16 Februar.

9 Maaß

Freund Büchner, Stud. Med. welchen die Brüder immer gern in ihrer Mitte sehn, hospitirt heute in Eugenia, auch werden Held u. Lambossy erwartet, erscheinen aber nicht. Das Gespräch betrifft größtentheils den Kampf der Freiheit in Deutschland, mit Freuden wird bemerkt, wie der bedachtsame, phlegmatische Teutone, den alten Herrmann in den Adern spürt, u. im Stillen seine Fesseln sprengt, u. zur Wiedergeburt seines Volkes emporreift. – Es wird nicht gesungen, aber nicht untüchtig getrunken.

 

No 158.
16te Sitzung; den 24 Mai.

Auch Büchner, Höpfner, Fritz Jäger u. Reichard, finden sich in dem Drescher ein. Man war recht fidel; aus voller Kehle wurde gesungen, u. vor lauter Freude u. Liebe wurde tüchtig mit der Hand auf die Schenkel des Nachbars gehauen. Bruder Daniel war noch etwas müde von der Reise die er mit seiner Cousine nach dem Odilienberg gemacht hatte, u. Bruder Böckel erzählte von den fatis, die ihm wegen („etwas Ausgebeinelten“) eines gekauften Skeletts bey Höhnheim arrivirt waren, aber noch mehr hätten arriviren können, wenn er auf des Maire’s Aufforderung hin, der durchaus einen procès-verbal machen wollte, nach dem Dorfe unter die BauernBuben zurückgegangen wäre. Reichard zieht bald von dannen, u. gegen 9 Uhr bleiben nur noch Ad. Stöber , Büchner Höpfner u. der Secretarius. Büchner spricht in etwas zu grellen Farben von der Verderbtheit der deutschen Regierungen, u. der Rohheit der Studenten auf vielen Universitäten, nahmentlich in Gießen, u. auch in Heidelberg, wobey von den Anwesenden Einiges erwidert wird, um zur Steuer der Wahrheit die Farben zu mildern. –

No 160.
18te Sitzung; den 7ten Juny.

Der Secretarius erscheint ohne Protocoll, wobey allerley soupçons vernommen werden. Zwischen fröhlichem Singen u. Trinken wird die Freude über Lord Greys Wiedereintritt in das Ministerium geäußert. Auch von der Vendée u. der Frechheit der Duchesse de Berry wird gesprochen. Bruder Böckel u. Büchner, die Gebrüder Stöber u. Follenius unterhalten sich von der Partie, welche über die PfingstTage nach dem Odilienberge u. dem Niedecker Wasserfall gemacht werden soll. Bruder Daniel wird in der reformirten Kirche predigen, u. Schreiber dieses nach Sultz reisen. Sich auf die Ausführung dieser Pläne freuend, u. nicht ahnend, welche argen Nachrichten bald aus Paris ankommen würden, ziehen die Eugeniten frohen Sinnes auseinander.

Überlieferung
Handschrift: Fonds littéraire Stoeber; Erstdruck: Marie Joseph Bopp, Straßburger Studentenleben bis 1850, in: Jahrbuch des wissenschaftlichen Zweigvereins des Vogesen-Clubs 1934, S. 172–259; Druck 2: Thomas Michael Mayer, in: Georg Büchner Jahrbuch 6 (1986/87), S. 356–371 mit Erläuterungen.