Georges Danton

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Georges Jacques Danton: Porträt (Öl auf Leinwand) von Constance Marie Charpentier, 1792

Büchners Zeitgenossen kannten Georges Danton (Arcis, 26. Okt. 1759 – Paris, 5. April 1794) als Mitbegründer des Cordeliers-Klubs, Urheber der Demonstration auf dem Marsfeld am 16./17. Juli 1791, Initiator des Tuileriensturms vom 20. Juni und 10. August 1792[1], als Initiator der Massenaushebung sowie Begründer der Revolutionsarmee und Retter Frankreichs gegen die Koalitionstruppen[2], aber auch als Mitverantwortlichen der Septembermorde[3] sowie als Schöpfer des Revolutionstribunals und dennoch Gegner der Terreur.[4] Büchners Quellen schildern ihn als leidenschaftlichen und zugleich pragmatischen Republikaner, als begnadeten Redner[5], als Volkstribunen, aber auch als »bestechbar«.[6]

  • [1] Vgl. Danton's Tod III/4: »Ich habe auf dem Marsfelde dem Königthume den Krieg erklärt, ich habe es am 10. August geschlagen, ich habe es am 21. Januar getödtet und den Königen einen Königskopf als Fehdehandschuh hingeworfen.« Danton’s Tod
  • [2] Vgl. DT III/4: »Meine Stimme hat aus dem Golde der Aristocraten und Reichen dem Volke Waffen geschmiedet. Meine Stimme war der Orkan, welcher die Satelliten des Despotismus unter Wogen von Bajonetten begrub.« Danton’s Tod
  • [3] Vgl. DT III/4: »Ich habe im September die junge Brut der Revolution mit den zerstückten Leibern der Aristocraten geäzt.« Danton’s Tod Außerdem die Albtraumszene II/5, z. B.: »will’s denn nie still und dunkel werden, daß wir uns die garstigen Sünden einander nicht mehr anhören und ansehen? – September!« Danton’s Tod
  • [4] Vgl. DT III/3: »Es ist jezt ein Jahr, daß ich das Revolutionstribunal schuf. Ich bitte Gott und Menschen dafür um Verzeihung, ich wollte neuen Septembermorden zuvorkommen, ich hoffte die Unschuldigen zu retten, aber dieß langsame Morden mit seinen Formalitäten ist gräßlicher und eben so unvermeidlich. Meine Herren ich hoffte Sie Alle dießen Ort verlassen zu machen.« Danton’s Tod
  • [5] Eine im Drama häufig genannte Fähigkeit; vgl. DT I/1: »Camille. Danton du wirst den Angriff im Convent machen.« Danton’s Tod Ebenso DT II/1: »Benachrichtige die Feiglinge, daß es Zeit ist sich um dich zu versammlen, fordere sowohl die vom Thale als die vom Berge auf. Schreie über die Tyrannei der Decemvirn, sprich von Dolchen, rufe Brutus an, dann wirst du die Tribünen erschrecken und selbst die um dich sammeln, die man als Mitschuldige Heberts bedroht. Du mußt dich deinem Zorn überlassen.« Danton’s Tod Außerdem DT III/4: »Danton. Meine Stimme, die ich so oft für die Sache des Volkes ertönen ließ, wird ohne Mühe die Verläumdung zurückweisen. Die Elenden, welche mich anklagen, mögen hier erscheinen und ich werde sie mit Schande bedecken.« Danton’s Tod
  • [6] Vgl. unter anderem DT I/5 »Lacroix. Man nennt uns Spitzbuben und (sich zu den Ohren Dantons neigend.) es ist, unter uns gesagt, so halbwegs was Wahres dran.« Danton’s Tod Außerdem DT III/10: »Danton hat schöne Kleider, Danton hat ein schönes Haus, Danton hat eine schöne Frau, er badet sich in Burgunder, ißt das Wildpret von silbernen Tellern und schläft bey euern Weibern und Töchtern, wenn er betrunken ist. Danton war arm, wie Ihr. Woher hat er das Alles?« Danton’s Tod

Dantons Karriere begann im Dezember 1791, als er zum zweiten Stellvertreter des Munizipalanwalts gewählt wurde. Nach dem Sturz der Monarchie im August 1792 wurde er Justizminister, legte das Amt jedoch Anfang Okt. 1792 zugunsten seines Abgeordnetenmandates nieder. Im Prozeß gegen Ludwig XVI. stimmte er nach anfänglichem Schwanken für den Tod ohne Aufschub.[7] Durch seine undurchsichtige Ausgabenpolitik, seine Rechtfertigung der Gefangenenmorde vom Sept. 1792 sowie seine Verbindungen mit dem schließlich fahnenflüchtigen General Dumouriez wurde er seit Herbst 1792 zu einem der Hauptangriffsziele der Girondisten. Er betrieb seit dem 1. April 1793 deren politische Entmachtung, die zu ihrer Hinrichtung führte.[8] April bis Juli 1793 war er Mitglied des ersten Wohlfahrtsausschusses, wo er mit Barère das außenpolitische Ressort leitete. Im Konvent trat er für die Ernennung des Wohlfahrtsausschusses zur provisorischen Regierung ein (1. August). Er initiierte am 5. Sept. die faktische Entmachtung der Sektionen und trug im Februar 1794 zu Verhaftung (und Hinrichtung) der von den Sektionen gestützten Hebertisten bei.[9] Am 6. September erneut in den Wohlfahrtsausschuß gewählt, trat er bereits am folgenden Tag zurück und zog sich bis Ende November 1793 aus dem politischen Leben zurück. Im Zusammenhang mit der von Dantons Freund und Sekretär Fabre d’Églantine aufgedeckten Korruptionsaffäre um die Liquidation der Indienkompanie[10] kehrte er nach Paris zurück und schloß sich der Kampagne der »Indulgents« (Nachsichtigen) an, die ein Ende der Terreur und eine Begnadigung der aus politischen Gründen Inhaftierten forderten.[11]. So wurde er zum Hoffnungsträger der liberalen Opposition.

  • [7] Vgl. DT III/4: »Ich habe es [das Königtum] am 21. Januar getödtet und den Königen einen Königskopf als Fehdehandschuh hingeworfen.« Danton’s Tod
  • [8] Vgl. DT III/1: »Mercier (zu Danton). Das Blut der zwei und zwanzig ersäuft dich« Danton’s Tod
  • [9] Vgl. DT II/1: »Danton. [...] Ich war bey den Sectionen, sie waren ehrfurchtsvoll, aber wie Leichenbitter. Ich bin eine Reliquie und Reliquien wirft man auf die Gasse, Du hattest Recht.« Danton’s Tod
  • [10] Im Stück die »Fälscher" genannt; vgl. DT I/6: »Ich brauche nur durchzuführen, die Fälscher geben das Ey und die Fremden den Apfel ab.« Danton’s Tod
  • [11] Vgl. DT I/1: »Philippeau. Der Gnadenausschuß muß durchgesetzt, die ausgestoßnen Deputirten müssen wieder aufgenommen werden.« Danton’s Tod

Die Angriffe der Gemäßigten gegen die Revolutionsregierung seit Mitte Dezember 1793[12] und die Entdeckung der Verwicklung Fabres in die Affäre um die Indienkompanie[13] waren die Anlässe für Dantons Sturz. Er wurde in der Nacht zum 31. März 1794 verhaftet und am 5. April hingerichtet.

  • [12] Vgl. DT I/6: »Robespierre. Aha, der alte Franziskaner, sonst nichts? Er ist ein Kind, er hat über Euch gelacht. / St. Just. Lies, hier! hier! (er zeigt ihm eine Stelle.)« Danton’s Tod
  • [13] In Büchners Stück nur angedeutet. Fabre tritt zunächst in der ersten und dann erst wieder in Szene IV/5 als Insasse einer benachbarten Zelle auf. Danton’s Tod

Normdaten (Person): GND: 118523732

Text in Anlehnung an die Erläuterung zu "Georges Danton" in MBA III.2, S.11 f.)